Bonnewitz
In einer breiten Wiesenaue südöstlich des Borsbergmassivs liegt die ländliche Siedlung Bonnewitz, die 1378 als „Ponewicz“ erstmals erwähnt wurde. Der Name leitet sich vom altsorbischen „pan“ (Herr) ab und geht in der Bedeutung als „Dorf des Pan“ möglicherweise auf die slawischen Personennamen Panak oder Panaš zurück.
Bonnewitz wurde 1971 nach Graupa eingemeindet und ist seit der Eingemeindung von Graupa im Jahr 1999 ein Ortsteil von Pirna.
Ortsteil Bonnewitz im Portrait
Die Bauerngüter des Rundplatzdorfes Bonnewitz gruppieren sich nahezu kreisförmig entlang des Bonnewitzer Baches. Das Ortsbild wird bis heute vor allem von Zwei- und Dreiseithöfen in Fachwerkbauweise geprägt. Teilweise sind noch die historischen, überwölbten Hoftore erhalten. Der Dorfplatz wurde in den Jahren 2010/11 umfangreich und denkmalgerecht saniert und trägt wesentlich zum historischen Charakter des Ortes bei.
Herrschaftliche und kirchliche Zugehörigkeit
Im 16. Jahrhundert gehörte Bonnewitz dem Rittergut Dittersbach an. Während des 17. und 18. Jahrhunderts wechselte die Zugehörigkeit zum Rittergut Schönfeld.
Auch die kirchliche Zuordnung veränderte sich im Laufe der Zeit:
- ursprünglich nach Dohna gepfarrt,
- später Teil der Kirchgemeinden Liebethal und Porschendorf,
- seit 2001 zur Kirchgemeinde Graupa-Liebethal gehörend.
Entwicklung des Dorfes
Über Jahrhunderte hinweg bleib Bonnewitz ein vergleichsweise kleines Dorf mit etwa einem Dutzend Bauernhöfen und einigen kleineren Häusleranwesen. Erst mit der Industrialisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte ein moderates Wachstum ein.
Entlang des Bonnewitzer Baches und im Bereich des südöstlich gelegenen Bonnewitzer Grundes entstanden neue Wohnhäuser, insbesondere für Industriearbeiter. Dadurch erhöhte sich die Einwohnerzahl deutlich:
- 1834: 161 Einwohner
- 1939: 354 Einwohner
Kiesabbau
Südwestlich des Ortes wurde bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert Kies abgebaut. Dabei machte man einen bemerkenswerten archäologischen Fund: Eine Amphore der Schnurkeramischen Kultur wurde geborgen und auf etwa 2000 v. Chr. datiert.
Vom Rosenbergschen Gut zur Heilpädagogischen Schule
Um 1870 erwarb Baron Georg von Rosenberg zwei Bauernhöfe am nördlichen Dorfrand. Er vereinigte sie zu einem Gut und ließ um 1880 daran angrenzend ein neues Herrenhaus als Gründerzeitvilla mit Eckturm errichten (Martin-Kretschmer-Straße 3).
Das sogenannte „Rosenbergsche Gut“ gelangte im Zuge einer Versteigerung 1925 in den Besitz der Stadt Pirna, die es als Stadtgut bewirtschaftete. Zu dieser Zeit gehörte etwa ein Drittel der Bonnewitzer Wälder, Wiesen und Ackerflächen zum Stadtgut.
Das Herrenhaus des Gutes, wurde von der Stadt Pirna zunächst als Kinder-Erholungsheim und nach 1933 durch den Reichsarbeitsdienst genutzt.
1935 erwarb Martin Kretschmer (1897-1942) das Gebäude und verlegte seine heilpädagogische Einrichtung für seelisch beeinträchtigte Kinder von Dresden nach Bonnewitz. Seitdem ist das Haus unter dem Namen „Villa Spitzner“ bekannt, benannt nach seiner Ehefrau Annemarie Spitzner.
Die Schule war bereits 1934 gegründet worden und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.Die Nationalsozialisten schlossen die Einrichtung 1942. Martin Kretschmer, der sich den Werten von Humanität und Menschlichkeit verpflichtet fühlte und dem NS-Regime kritisch gegenüberstand, wurde bereits 1941 verhaftet. Er starb 1942 in einem Konzentrationslager-Außenlager bei Berlin.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges diente die „Villa Spitzner“ als Kinderheim für Waisenkinder. Seit 1995 bildet es mit weiteren auch neu entstandenen Gebäuden im Umfeld den Komplex der Heilpädagogischen Schule Bonnewitz mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. In der Förderschule erfahren junge Menschen mit Behinderungen auf Grundlage der ganzheitlichen anthroposophischen Heilpädagogik Bleibe und Bildung.


