Oberbürgermeister Tim Lochner ist seit zwei Jahren im Amt – Zeit für eine Zwischenbilanz und einen Blick in die Zukunft
Seine Wahlversprechen vom 26. Februar 2024, alle Mitarbeiter der Stadtverwaltung persönlich zu treffen, alle Einwohner- und Stadtanfragen wieder im Anzeiger zu veröffentlichen und mehr Parkplätze zu schaffen, hat er gehalten. Anfang des Jahres unterzeichnete er den Bauantrag für 120 Pkw- und zwei Busparkplätze auf dem ehemaligen Kraftverkehrsgelände (Clara-Zetkin-Straße).
„Aus mir macht keiner einen Nazi“
Der parteilose Kommunalpolitiker war bei der Wahl für die AfD angetreten und mit 38,54 Prozent der Wählerstimmen auf den Chefsessel des Rathauses gewählt worden. Die Reaktionen darauf waren gespalten. Einerseits gab es Glückwünsche, Unterstützung und die Hoffnung auf Veränderung, andererseits gab es Angst, Empörung und Demonstrationen vor dem Rathaus gegen Rechtsextremismus. In den Medien waren dazu Sätze aus den eigenen Reihen zu hören: „Wir müssen im Stadtrat zusammenrücken gegen die AfD.“ Bürger kommentierten in den sozialen Medien: „Ich komme nie wieder nach Pirna“. Die Initiative „solidarisches Pirna“ gründete sich, um ein Zeichen zu setzen gegen rechts. Vor diesem Hintergrund war und ist es für das Stadtoberhaupt nicht einfach, sein Amt auszuüben und Brücken zu bauen.
„Aus mir macht keiner einen Nazi“, betont Tim Lochner, wenn Journalisten ihn medial in die rechtsextreme Ecke stellen wollen. Der 56-jährige gelernte Tischlermeister und Restaurator kann sowohl mit dem Kopf als auch mit den Händen arbeiten. Er ist Vater von zwei Kindern und leidenschaftlicher Opa von drei Enkeln, fährt Motorrad und betreibt einen historischen Ferienhof. „Extremistischen Tendenzen begegnet man am wirksamsten, indem man den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Deshalb unterstütze ich gezielt Sportvereine, kulturelle Initiativen, soziale Projekte und Bildungsangebote, die Begegnung, Respekt und Dialog fördern. Ich werde weiterhin alles daransetzen, dass Pirna eine Stadt bleibt, in der Respekt, Rechtsstaatlichkeit und ein konstruktiver Dialog das Miteinander prägen“, sagt Lochner.
Die Zukunft liegt bei den Kindern
Die Zukunft unserer Stadt sieht Tim Lochner bei den Kindern. „Sie werden die Geschäfte unserer Welt übernehmen. Sie werden entscheiden, ob sie in einer Gesellschaft leben wollen, in der Gewalt ständig weiterwächst, oder in einer, in der die Menschen in Frieden miteinander leben.“ Dem Stadtoberhaupt ist es wichtig, dass ein Kind in einer liebevollen Umgebung aufwächst und lernt. „Pirna hat alles, was junge Menschen brauchen: bezahlbaren Wohnraum, Mobilität, Gesundheitsversorgung, Bildungs- und Jobchancen sowie Kunst, Kultur und Freizeitangebote, mit Dresden in unmittelbarer Nähe. Es gibt Kino, Theater und Ausstellungen wie den Skulpturensommer, einen Klettergarten, das Geibeltbad, eine Sportschwimmhalle sowie Parks und Spielplätze, die fußläufig erreichbar sind. Vor der Haustür liegt die Sächsische Schweiz mit ihren Outdoor-Möglichkeiten.
Doch was unsere Stadt den dynamischen Großstädten meilenweit voraushat, ist ihre familiäre, beschauliche Atmosphäre. Mit ihrer gut erhaltenen Altstadt wirkt sie geradezu romantisch, sie hat Charme und ist grün geblieben. Vor allem aber ist sie sicher.“ Tim Lochner setzt alles daran, dieses positive Lebensgefühl und den Lebensstandard zu bewahren, in einigen Bereichen noch zu verbessern und den Weg für eine gute Zukunft zu bereiten.
Projekte und ihre Umsetzung
Zu den derzeitigen Projekten zählen die Sanierung der Grundschule Pirna-Sonnenstein, der Bau der Turnhalle der Grundschule Neundorf und der Spielpark ohne Grenzen. Das sind Orte, die mehr sind als eine Schule oder ein Freizeitort – sie sind Zeichen für gelebte Gemeinschaft und Begegnung. Das größte Projekt, das im Dezember 2025 im Stadtrat beschlossen wurde, ist der neue Bauhof, mit deutlich besseren Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten – ein Meilenstein für die Stadt Pirna. In diesem Jahr soll das wohl wichtigste Bauvorhaben der letzten 15 Jahre fertig werden: die Südumfahrung. Sie soll die gewünschte Verkehrsentlastung für die Innenstadt bringen.
Auch an den Industriepark Oberelbe glaubt Tim Lochner nach wie vor: „Ich habe Investoren am Tisch, die Flächen suchen, die größer als ein Hektar sind, und ich muss sie leider wegschicken.“ Dabei wägt er natürlich auch Risiken ab und behält die fortschreitende Deindustrialisierung Deutschlands im Blick, die durch hohe Energie- und Arbeitskosten, steigende Bürokratie, schleppende Digitalisierung und einen starken internationalen Wettbewerb angetrieben wird.
Wunschliste & Weitblick
Überregional freut sich Tim Lochner in diesem Jahr auf eine neue Städtefreundschaft und einen regen kulturellen Austausch mit der Stadt Eisenerz im Norden der Steiermark in Österreich.
Tim Lochners Wunschliste für Pirna ist lang: Das Hotel „Schwarzer Adler“ mit dem historischen Ballsaal soll aus dem Dornröschenschlaf erwachen, die Innenstadt mit City-Outlet noch lebendiger werden und Pirna möchte die Landesgartenschau 2032 nach Pirna holen sowie bis zur 800-Jahr-Feier von Pirna in sieben Jahren 800 Bäume pflanzen.
Es bleibt spannend, wie die Bilanz in fünf Jahren aussehen wird.