Spurensuche - Jüdisches Leben in Pirna und dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
3. September 2026 bis 21. Februar 2027
Von Lücken zu Spuren: Anlässlich des sachsenweiten Kulturjahres »TACHELES 2026« wird die erweiterte Wanderausstellung zum jüdischen Leben im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge präsentiert. Als Weiterentwicklung der bisherigen Dokumentationen des AKuBiZ e. V. eröffnet die Ausstellung neue Perspektiven – sowohl thematisch als auch räumlich. Neben den bekannten regionalen Schwerpunkten rücken nun auch vertiefende historische Zusammenhänge sowie erstmals aufgearbeitete Lebenswege aus Städten wie Dohna und Neustadt in Sachsen in den Mittelpunkt.
Hervorzuheben sind insbesondere die neuen Erkenntnisse zur Geschichte des jüdischen Religionsunterrichts in Pirna. Für die Jahre 1908 bis 1938 konnten die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen, die Lehrkräfte und die Unterrichtsinhalte detailliert rekonstruiert werden. Eindrückliche Einzelbiografien veranschaulichen zudem die vielschichtige Präsenz jüdischer Menschen in der Region, darunter die Lebenswege der Pirnaer Familie Cohn, von Pinchos Czaczkowski, des Ehepaares Israel aus Neustadt in Sachsen und der Familie Feder aus Dohna.
Die historische Forschung zeichnet ein präzises Bild der regionalen Verankerung: Außerhalb von Pirna lebten im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und 1942 aktuellen Erkenntnissen zufolge mindestens 131 Jüdinnen und Juden in mindestens 18 verschiedenen Gemeinden. In Pirna selbst waren es zwischen 1876 und 1964 mindestens 148 jüdische Einwohnerinnen und Einwohner. Wie tief verwurzelt jüdische Familien vor Ort waren, zeigt das Beispiel der Familie Cohn: Sie lebte von 1884 bis 1939 – über 55 Jahre lang – in der Stadt. Alfred Cohn kehrte nach dem Krieg zurück und wohnte von 1945 bis 1957 erneut in Pirna.
Dabei stehen nicht nur die Lebensjahre der jüdischen Familien und Einzelpersonen in der Region im Zentrum, sondern auch ihre Lebenswege vor und nach dieser Zeit. Das spätere Verlassen ihrer Wohnorte im Landkreis erfolgte keineswegs freiwillig, sondern war eine erzwungene Flucht vor der nationalsozialistischen Verfolgung. Ein Beispiel ist die Familie Feder aus Dohna, die 1939 nach Großbritannien emigrierte, um dem zunehmenden Antisemitismus, der gesellschaftlichen Ausgrenzung und der Diskriminierung zu entkommen.
