Rottwerndorf
Dicht bei der Einmündung des Lohmgrundes in das Gottleubatal liegt im Süden der Stadt der Ortsteil Rottwerndorf, der heute etwa 500 Einwohner zählt.
Das Dorf entstand als Bauernweiler im Umfeld eines Rittergutes, welches 1337 als „Rateberndorf“ erstmals erwähnt wurde. Vermutlich bestand hier bereits seit ca. 1200 eine kleine Wasserburg im Talkessel der Gottleuba, welche später zu einem Rittergut umgebaut wurde. Zur Grundherrschaft des Gutes gehörten neben Rottwerndorf selbst auch die benachbarten Dörfer Neundorf und Krietzschwitz, zeitweises auch Dohma und Goes.
Markantestes Bauwerk des Ortes ist das Schloss, welches nach einem Brand des Rittergutes 1556–1561 im Stil der Renaissance errichtet wurde. Bauherr war der kurfürstliche Kammersekretär Damian von Sebottendorf, der ein dreigeschossiges Gebäude mit einer reich gegliederten Fassade, Volutengiebeln und einem markanten Treppenturm erbauen ließ. Um 1800 entstand gegenüber des Schlosses auch ein Park mit Orangerie und Gartenhaus. Schon im frühen 19. Jahrhundert gelangte das Anwesen in den Besitz bürgerlicher Eigentümer. Bis 1998 wurde es noch als Wohnhaus genutzt. In den letzten Jahren begonnene private Sanierungsmaßnahmen konnten bislang noch nicht zum Abschluss gebracht werden.
Die Rottwerndorfer Einwohner fanden ihr Auskommen in den vergangenen Jahrhunderten in der Landwirtschaft – samt Obstanbau an den Talhängen – und der Sandsteinbrecherei. Die Brüche befanden sich an den Hängen des Gottleubatals und insbesondere im benachbarten Lohmgrund (Gemeinde Dohma), in dem vermutlich schon seit dem 12. Jahrhundert intensiv Sandstein gebrochen wurde. Ähnlich wie im unweit gelegenen Neundorf erlebte der Sandsteinabbau im Zusammenhang mit der Bautätigkeit in der Residenz Dresden unter Kurfürst August dem Starken und seinem Nachfolger Friedrich August II. im 18. Jahrhundert einen ersten Höhepunkt. Noch stärker stieg die Nachfrage nach Sandstein als Bauware im Zuge der Industrialisierung des ausgehenden 19. Jahrhunderts an. Allein auf der Rottwerndorfer Flur bestanden in den 1870er Jahren 25 Steinbrüche, im benachbarten Lohmgrund waren es nochmals über 50. Die 1880 eröffnete Gottleubatalbahn von Pirna über Rottwerndorf und Neundorf nach Berggießhübel (ab 1905 Verlängerung bis Bad Gottleuba) ermöglichte den Abtransport der Sandsteine, gleichzeitig aber auch das Pendeln der Rottwerndofer Einwohner zu den Pirnaer Industriebetrieben. Neue Häuser entstanden und die Einwohnerzahl des Dorfes wuchs von 352 Einwohner (1871) auf 797 Einwohner (1910). Während in Rottwerndorf selbst der letzte Steinbruch 1922 stillgelegt wurde, wird im benachbarten Lohmgrund bis heute Sandstein abgebaut und in Rottwerndorf verarbeitet. Verwendet wurde der Stein in den letzten Jahren u. a. beim Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche, dem Neubau des Berliner Schlosses und des Stadtschlosses in Potsdam.
Markant war die 1967 erfolgte Inbetriebnahme des Verladebahnhofs Rottwerndorf durch den Bergbaubetrieb WISMUT. Die im Bergwerk Königstein/Leupoldishain gewonnenen Uranerze wurden mit einer Lastenseilbahn nach Rottwerndorf transportiert, auf die Gottleubatalbahn umgeladen und mit bis zu sieben Zügen täglich zur Aufbereitung weitertransportiert. Nachdem die Förderung im Bergwerk auf eine untertägige Laugung umgestellt wurde, entfielen diese Transporte ab 1983. Die Verladeanlagen wurden mittlerweile komplett abgebrochen.
Die oft geruhsam am Rande des Dorfes dahinfließende Gottleuba entfaltete bei Hochwassern in der Vergangenheit eine zerstörerische Kraft. Bei der verheerenden Flut im Juli 1927 starb ein Einwohner. Weitere Überschwemmungen traten insbesondere 1897, 1957, 1958 und 2002 auf.
Rottwerndorf wurde 1923 nach Pirna eingemeindet.