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SingAlong-Konzert mit deutsch-tschechischen Wallfahrts- und Prozessionsliedern im StadtMuseum Pirna

Singe, wem Gesang gegeben : Am 28. Mai 2026 gibt es im StadtMuseum Pirna ein Konzert der besonderen Art, bei der das musikbegeisterte Publikum selbst agieren darf und soll.

Weil in Böhmen zum Ende des 18. Jahrhunderts kirchliche Wallfahrten eingeschränkt waren, pilgerten die dortigen Katholiken über die Grenze ins sächsische Fürstenau zu einem spätgotischen Marienaltar, der im Zuge der Kirchenreformation aus dem Pirnaer Dominikanerkloster entfernt wurde und auf eine einzigartige Wanderschaft ging. Auf den Pilgerfahrten sangen die frommen Menschen sogenannte Wallfahrts- und Prozessionslieder, die im Rahmen dieser Veranstaltung im StadtMuseum Pirna mithilfe der sangesfreudigen Gäste aus Deutschland und Tschechien erneut erklingen sollen. 

In dem Mitsing-Konzert erwecken Dipl.-Komponistin Agnes Ponizil (Gesang) und Michael Pospíšil (Gesang, Orgelpositiv, Dudelsack und weitere Instrumente) die musikalischen Weisen jener Zeit wieder zum Leben. Das Publikum ist aufgerufen, nach Leibeskräften mitzusingen. Dabei sind keine besonderen musikalischen Vorkenntnisse vonnöten, Ponizil und Pospíšil leiten den Zwiegesang mit den Gästen. 

Die Einführung und die Moderation der Veranstaltung übernimmt Dr. Jan Kvapil, Kurator der Sonderausstellung „Madonna auf Wanderschaft“, die noch bis zum 5. Juli im StadtMuseum Pirna auf der Galerie-Ebene zu sehen ist. Die Schau zeichnet die einzelnen Stationen der Fürstenauer Madonna auf ihrer abenteuerlichen Wanderung nach. Im Mittelpunkt der Sonderausstellung steht eine großformatige Nachbildung des Marienaltars. Künstlerische Elemente beschreiben die einzelnen Stationen seiner Wanderschaft, in Vitrinen sind archäologische Funde aus Vorderzinnwald zu sehen. An jeder Station werden die Gäste mit Ereignissen, Sagen und historischen Persönlichkeiten bekannt gemacht, welche die engen Verbindungen zwischen Böhmen und Sachsen aufzeigen. 

Der Madonnenaltar gelangte zunächst von Pirna aus in die evangelische Kirche von Fürstenau im Osterzgebirge, wo er über drei Jahrhunderte verblieb. Im benachbarten Böhmen, das zu Österreich-Ungarn gehörte, hatte Ende des 18. Jahrhunderts der aufgeklärte Kaiser Josef II. große Wallfahrten und Prozessionen verboten. Die deutschsprachigen Katholiken von der böhmischen Seite des Erzgebirges wurden nun auf den Altar aufmerksam und pilgerten die wenigen Kilometer über die Grenze zur Fürstenauer Kirche. Katholische Pilger in einer evangelischen Kirche – ein einmaliger Vorgang, der aber manchen Vertretern der lutherischen Geistlichkeit zu weit ging. Der Kirchenobrigkeit von Fürstenau wurden die katholischen Pilgerströme schließlich zu viel. Um diese zu unterbinden, schenkte sie 1887 den Altar der Gemeinde Vorderzinnwald (Předni Cinvald), wo damals eine neue Kapelle eingerichtet wurde. Dieser Ort verschwand nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge der Zwangsaussiedlung der deutschen Bevölkerung von der Landkarte.

Heutzutage ist der Altar ein Teil der Dauerausstellung zur sakralen Kunst im Regionalmuseum Teplice. Die Madonna von Fürstenau bringt die Menschen aus Böhmen und Sachsen wieder zusammen. Beim alljährlichen Kirschenfest mit ökumenischer Andacht findet eine Wanderung vom ehemaligen Standort der Kapelle in Vorderzinnwald zur Kirche in Fürstenau statt, wo eine beleuchtete Nachbildung der Madonnenstatue in Glas erinnert.