Ortsteil Zuschendorf
Im Süden der Stadt Pirna, am Fluss Seidewitz gelegen, befindet sich der etwa 150 Einwohner zählende Ortsteil Zuschendorf. Ursprung des Ortes war eine vermutlich schon im 11. Jahrhundert gegründete kleine Burganlage, in derem Umfeld einige wenige Häuser entstanden. Als „Zcutzschendorf“ trat der Ort 1378 erstmals ins Licht der Geschichte, der Name ist vermutlich vom slawischen Personennamen Cuca abgeleitet.
Das Dorf selbst entwickelte sich über Jahrhunderte hinweg nur spärlich. Mitte des 16. Jahrhunderts waren es weniger als 100 Menschen, die dort lebten und ihren Unterhalt in der Landwirtschaft verdienten. Die Geschichte meinte es nicht immer gut mit den Zuschendorfern – im Dreißigjährigen Krieg verwüsteten die Schweden die Gegend, in der Napoleonischen Zeit zerstörten 1813 durchziehende Truppen die Häuser und schleppten das Vieh weg und auch die Seidewitz floss nicht immer friedlich dahin. Erst mit dem Bau der Straße im Tal der Seidwitz wuchs Zuschendorf nach 1871 ein Stück weit über das alte Bauerndorf hinaus. An der neuen Straße entstand 1911 der bekannte Gasthof „Zum Lindental“. Seit 1923 ist Zuschendorf ein Ortsteil von Pirna.
Mittelpunkt des Ortes ist bis heute das Schloss, welches aus der alten Burg hervorging. Diese befand sich seit 1403 im Besitz der Familie von Carlowitz. Der Sage nach erhielt Otto von Carlowitz die Anlage von Markgraf Wilhelm dem Einäugigen anlässlich der Geburt des zwanzigsten Kindes – manche sprechen sogar vom dreißigsten Kind. Bis 1695 blieb Zuschendorf der älteste Stammsitz der bekannten Familie von Carlowitz. Unter Hans II. von Carlowitz erfolgte Mitte des 16. Jahrhunderts der Umbau der Burg zum Schloss und der Bau der benachbarten Saalkirche. Das kleine Kirchlein verfügt über eine sehenswerte, über 300 Jahre alte, barocke Ausstattung.
Schloss und Rittergut selbst gingen nach den von Carlowitz' durch verschiedene Hände und standen Ende der 1980er Jahre aufgrund des schlechten Bauzustandes schon kurz vor dem Abbruch. Dies konnte jedoch abgewendet werden. Stattdessen entwickelte sich das Schloss und der angrenzende Garten zu einer bedeutenden botanischen Sammlung, die vor allem Kamelien, Azaleen, Hortensien und Rhododendren umfasst. Dabei geht die Kameliensammlung, die seit 1993 unter Denkmalschutz steht, auf die über 200 Jahre alte Sammlung des Dresdner Hofgärtners Johann Heinrich Seidel zurück. Die Zuschendorfer Azaleensammlung ist heute die zweitgrößte in Europa. Etwa 50.000 Besucher aus nah und fern besuchen das Schloss und seine Sammlungen jedes Jahr.















