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Pratzschwitz

Im Gebiet des rechtselbisch gelegenen Dorfes Pratzschwitz siedelten Menschen schon vor mehreren tausend Jahren. Das belegen Funde von Feuersteinartefakten, Steinbeilen, Scherben und ein Gräberfeld aus der älteren vorrömischen Eisenzeit (700–500 v. Chr.).

Das heutige Dorf geht vermutlich auf eine slawische Siedlung zurück, die im 12. Jahrhundert von deutschsprachigen Siedlern überformt wurde. Der Ortskern ist als Rundplatzdorf ausgeprägt, um den sich heute noch die von Fachwerk geprägten Dreiseithöfe des 18. und 19. Jahrhunderts gruppieren. Die Ortsbezeichnung geht auf den slawischen Personennamen „Pravk“ zurück. 1350 wurde das Dorf als „Prautschicz“ erstmals urkundlich erwähnt.

Pratzschwitz unterlag im Laufe der Zeit verschiedensten Besitz-Zugehörigkeiten, bevor es Mitte des 17. Jahrhunderts zur Grundherrschaft der Familie von Friesen am Rittergut Schönfeld (heute Ortsteil von Dresden) gelangte. Die Schönfelder Herren richteten im nördlichen Dorfteil ein Vorwerk her, welches später als Kammergut direkt der Verfügungsgewalt des Landesherrn unterstand. Heute wird das Anwesen für Wohnzwecke genutzt.

Am östlichen Ortsrand von Pratzschwitz mündet die Wesenitz in die Elbe. Hier befindet sich seit 1525 die Pratzschwitzer Mühle. Diese verfügte als technische Besonderheit über ein höhenverstellbares Wasserrad. Damit konnte die Mühle auch noch mahlen, wenn sich die Elbe bei Hochwasser in die Wesenitz zurückstaute und der Wasserstand im Mühlgraben stieg. Heute ist der Mahlbetrieb stillgelegt, die Wasserkraft wird jedoch noch zur Stromerzeugung genutzt.

Im Zuge der Industrialisierung entstanden entlang der Straße nach Birkwitz mehrere Wohnhäuser für die in Heidenau und Pirna beschäftigten Arbeiter. Zum Übersetzen über die Elbe diente die schon 1772 eingerichtete Fähre zwischen Pratzschwitz und Heidenau-Großsedlitz. Der Fährbetrieb wurde Anfang der 1990er Jahre eingestellt.

Das Wachstum des Dorfes führte zu steigenden Einwohnerzahlen. Um 1840 zählte Pratzschwitz 289 Einwohner, 1900 wohnten hier schon 520 Menschen. Für die wachsende Kinderzahl wurde 1886 ein eigenes Schulgebäude errichtet, das bis 1973 in Betrieb war. Durch den Neubau zahlreicher Ein- und Zweifamilienhäuser ist Pratzschwitz seit 1990 weitergewachsen. Aktuell zählt der Ort reichlich 700 Einwohner.

Im Landschaftsbild setzten seit Ende der 1960er Jahre deutliche Veränderungen mit dem nördlich und östlich des Dorfes betriebenen Kiesabbau ein. Nach der Stilllegung und Flutung von Teilen der nördlichen Kiesgrube Anfang der 1990er entstand hier ein beliebtes Bade- und Freizeitareal.

Obwohl die Pratzschwitzer über Jahrhunderte hinweg mit den Hochwassern der Elbe und Wesenitz lebten, war die Gefahr nach dem letzten großen Elbehochwasser von 1845 fast in Vergessenheit geraten. Doch die Fluten von 2002 und 2013 zeigten deutlich, dass die landschaftlich schöne Lage in Flussnähe weiterhin Gefahren birgt. Beide Male waren etwa Dreiviertel der Grundstücke betroffen.

Pratzschwitz schloss sich schon 1973 mit dem benachbarten Birkwitz zur Gemeinde Birkwitz-Pratzschwitz zusammen. Seit 1999 ist „Bi-Pra“, wie es der Volksmund nennt, ein Ortsteil von Pirna.