Oberbürgermeister Tim Lochner besuchte polnische Partnerstadt – Kunst, Musik und Balkan-Flair beim 32. Keramikfest Bolesławiec 2026
Die charakteristischen kobaltblauen Stempelmuster haben die Stadt weltweit berühmt gemacht und stehen für traditionelles Handwerk, zeitloses Design und hohe Qualität.
Auch in diesem Jahr präsentierten rund 100 Keramikhersteller, darunter mehr als 40 Betriebe aus Bolesławiec und der Region, ihre Produkte, kamen direkt mit den Besuchern ins Gespräch und luden zu zahlreichen Mitmachaktionen ein.Unter den angereisten Keramikliebhabern aus ganz Europa befanden sich auch hochrangige Vertreter aus den Partnerstädten.
Oberbürgermeister Tim Lochner war zum 3. Mal zu Gast bei seinem Amtskollegen Piotr Roman. „In Boleslawiec, im Südwesten Polens, ist Keramik nicht nur ein Geschirr, es ist Tradition, Handwerk und für viele Menschen ein Stück Polen. Der größte Schatz der Stadt sind jedoch die Menschen selbst, die aus Ton Kunst machen.“
Auf dem Programm standen traditionell die Eröffnungsfeier am Freitagabend, der Besuch des Keramikmuseums und des Keramikmarkts sowie die Teilnahme an der Großen Festparade durch die historische Altstadt. Abgerundet wurde das Programm durch ein Konzert des bosnischen Musikers und Komponisten Goran Bregović.
80 Jahre Rückkehr der Polen aus dem Balkan
Das diesjährige Stadtfest stand auch im Zeichen eines besonderen Jubiläums. Vor 80 Jahren kehrten zahlreiche Polen aus den Gebieten des ehemaligen Jugoslawiens nach Bolesławiec zurück. Sie prägten die Entwicklung der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidend mit.
Gemeinsam mit dem Verein der Rückkehrer aus Bosnien, ihren Nachkommen und Freunden erinnerte das Festival an diese Geschichte und machte das kulturelle Erbe des Balkans in zahlreichen Programmpunkten erlebbar.
Keramikfabrik „BOLESŁAWIEC“ feiert 80-jähriges Bestehen
Ebenfalls gefeiert wurde das 80-jährige Jubiläum der Keramikfabrik „Bolesławiec“. Das Unternehmen ist heute eines der bekanntesten Hersteller der traditionellen Bolesławiec-Keramik und trägt seit Jahrzehnten dazu bei, dieses Handwerk international bekannt zu machen.
Einer der Höhepunkte am Samstag war der große Festumzug unter dem Motto „Aus Liebe zum Ton“. Performer verwandeln sich in lebende Skulpturen und begeistern tausende Zuschauer am Straßenrand.
„Stadt des guten Tons“
Bolesławiec ist seit 1980 Partnerstadt von Pirna. Heute leben dort rund 37.000 Menschen.
Die am Rande der Sudeten gelegene Industriestadt, rund 60 km von Görlitz entfernt, wurde in drei Kriegsepochen stark zerstört. Ihre Lage an der alten Handelsstraße von Polen nach Westeuropa sowie die heimischen Vorkommen an Mineralien wie Ton, Kaolin und Sand förderten ab dem 15. Jahrhundert die Entwicklung von Handwerk und Gewerbe, insbesondere des Töpferhandwerks. Seit 600 Jahren wird die Stadt deshalb auch „Stadt des guten Tons“ genannt. Zunächst wurde „Bunzlauer Braungeschirr“ hergestellt, später wurde auf dekorative Buntglasur umgestellt. Das heutige Markenzeichen sind die vielfach variierenden Muster, die mit der Schwämmeltechnik vor allem in Form des Pfauenauges hergestellt werden.
Das Militärprojekt „Ford Trump“
Gegenwärtig befindet sich in Bolesławiec ein strategisch bedeutender Militärstützpunkt, der zum größten Drehkreuz des US-Militärs in Europa ausgebaut wird. Derzeit sind dort rund 1.000 US-Soldaten stationiert. Die polnische Regierung investiert umgerechnet 500 Millionen Dollar, um die Basis massiv zu erweitern.
Die Anwesenheit der US-Armee prägt das Stadtbild und wird von der Bevölkerung mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Restaurants, Cafés, Geschäfte und private Sprachschulen profitieren von der Kaufkraft der Soldaten und richten sich auf eine langfristige Präsenz amerikanischer Familien ein.



