Steffen Lieberwirth zeigt Dirigenten-Legende Fritz Busch in Bild und Ton
Zur Finissage der Sonderausstellung „Klänge bewegen“ am 15. Februar in den Richard-Wagner-Stätten Graupa porträtiert der durch seine Semperoper-Edition bekannte Musikwissenschaftler, Dramaturg und Journalist Dr. Steffen Lieberwirth den weltbekannten Dirigenten Fritz Busch. Im Rahmen seines Vortrags zeigt Lieberwirth den Lichttonfilm „Das Weltkonzert. Richard Wagners Tannhäuser-Ouvertüre aufgeführt durch die Staatskapelle Dresden unter Leitung von Fritz Busch“. Darüber hinaus stellt er frühe Schallplattenaufnahmen des Orchesters vor.
90 bis 100 Jahre alte Ton- und Filmaufnahmen sind an sich schon ein Erlebnis. Solche, die das Wirken des weltweit berühmt gewordenen Dirigenten Fritz Busch zeigen, stellen eine Rarität dar, noch getoppt dadurch, dass es Aufnahmen von Kompositionen Richard Wagners aus Dresdner Tagen sind, die Busch mit der Staatskapelle Dresden einspielte. Nicht nur musikalisch stellen diese eine Köstlichkeit dar, auch aus technisch-akustischer Sicht ist Spannendes zu erwarten. Wie klingen Aufnahmen, die von einem gedrängt vor einem Trichter sitzenden Orchester eingespielt wurden? Was unterscheidet dieses Hörerlebnis von einer vor Mikrofon gespielten Aufnahme? Die Möglichkeit des direkten Hörvergleichs hat man nicht oft, weshalb das Publikum gespannt und mit großer Vorfreude auf den Vortrag von Dr. Steffen Lieberwirth im Jagdschloss Graupa blicken darf.
Fritz Busch und Dresden – dieses Thema ist so emotionsgeladen wie wohl kein anderes in der an Ereignissen wahrlich überreichen Kapell- und Operngeschichte der Kunststadt an der Elbe. Tage nach seinem ersten Konzert mit der Staatskapelle im Dezember 1920 schwelgte der Dirigent glücksselig vom Orchester. Und die Musiker wiederum bestürmten ihn, ihr Chef zu werden. Es folgten für Busch und die Staatskapelle zwölf erfüllte Jahre. Etwa tausend Mal dirigierte er das Orchester mit einem breiten musikalischen Repertoire, das sich Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart, Giuseppe Verdi oder Modest Mussorgski ebenso verpflichtet fühlte wie zeitgenössischer Musik von Paul Hindemith, Max Reger, Hans Pfitzner, Ferruccio Busoni und Kurt Weill. Besonders schätzte Busch die Werke Richard Wagners, dessen „Meistersinger“ er 1924 in Bayreuth dirigierte.
Buschs Wirken endete abrupt, als er am 7. März 1933 durch einen arrangierten Nazi-Mob vom Dirigentenpult der Semperoper gebrüllt wurde. Grund war, dass er sich offen gegen die Politik des Naziregimes positionierte. Busch verließ Deutschland. Triumphe feierte er nunmehr außerhalb Europas, wo man seine Kunst und seine Person zu würdigen wusste. Busch kehrte nie mehr nach Dresden zurück. Erst 65 Jahre später kommt es durch Giuseppe Sinopoli im Festakt zum 450. Jubiläum der Sächsischen Staatskapelle zum symbolischen „Kniefall“ und der späten Entschuldigung an den hier nahezu vergessenen Amtsnachfolger Wagners.
Lieberwirths Vortrag setzt den Endpunkt der Ausstellung „Klänge bewegen“, die am 15. Februar 2026 letztmalig besichtigt werden kann. In der Ausstellung sind u. a. Bronzeabgüsse der Totenmaske und Hände von Fritz Busch und sein originaler Dirigentenstab zu sehen.