Die unkomplizierte Frau oder 70 – 50 – 20.

»Ulrike Bajohr erzählt … klug, beobachtungsstark und einsichtsreich von drei Stationen im Leben einer Wissenschaftlerin, deren Privatleben stärker von Geschichte und Zeitgeist geprägt wird, als sie zunächst wahrnimmt. Eine OP am offenen Herzen – und eine Einladung an uns Leserinnen und Leser, darüber nachzudenken, wie wir wurden, wer wir sind.« Denis Scheck

 

Christa ist siebzig. Geschieden, Mutter erwachsener Kinder, erfolgreiche Wissenschaftlerin, aufgewachsen in der DDR und längst in Köln zu Hause. Sie ist eine unkomplizierte Frau – pragmatisch, nüchtern, unaufgeregt. Im Rückblick begegnet sie den Männern ihres Lebens: der Jugendliebe Udo aus der Zeit im Zündwarenwerk, zwei Ehemännern, enttäuschenden und kurzen Beziehungen, dem klugen Südamerikaner José, dem gutaussehenden Nichtsnutz Curt, genannt der »Haarmann«. Christa wechselt mühelos zwischen den Lebensstufen der Zwanzig-, Fünfzig- und Siebzigjährigen, reflektiert ihre Entscheidungen, ihre Beziehungen, ihre Rolle darin – ohne Sentimentalität, mit lakonischem Humor. Als sie dem vorsichtigen und verschlossen Karl begegnet, ausgerüstet mit einer abgetragenen khakifarbenen Weste und wenig Worten über sich selbst, scheint zunächst wenig Spektakuläres zu beginnen. Doch sie verbindet ein stiller Grundkonsens: das gemeinsame Aufwachsen im Osten, geteilte Codes einer Vergangenheit, die wie eine Geheimsprache wirken.

 

Ulrike Bajohr wurde 1954 in Sachsen geboren. Sie studierte Journalismus in Leipzig und war Redakteurin beim Rundfunk der DDR. Von 1994 bis 2020 arbeitete sie beim Deutschlandfunk in der Hauptabteilung Kultur. Neben ihren zahlreichen journalistischen Publikationen und Featuretexten, veröffentlichte sie bereits die Romane: »Die Anständigen« (2023) und »Schwestern« (2024).