Symposium – Was veranlasst Mensche, Tierfiguren zu gestalten?

Der Skulpturensommer Pirna präsentiert in den Bastionen der Festung Sonnenstein über 80 Werke aus 3 Ländern von der beginnenden Moderne um 1900 bis heute. Anlässlich dieser Ausstellung findet ein Symposium statt. Es wird sich aus kunsthistorischer, religionswissenschaftlicher, philosophischer und künstlerischer Sicht mit den Fragen der Entstehung und Bedeutung der Tierskulpturen auseinandersetzen.


Seit jeher verkörperte das Tier Qualitäten und Dimensionen des Göttlichen für den Menschen. In kultischen Ritualen wurden Tiere zu Platzhaltern für die Anwesenheit der Gottheit. In künstlerischen Darstellungen fungieren sie als göttliche Sinnträger ganz besonderer Intensität.


Dabei begegnen sie uns in vielen Rollen auf einer faszinierend ambivalenten Spanne von der rohen animalischen Kraft über freigiebige Fruchtbarkeit und unschuldigen Lebensgenuss bis hin zur fast engelsgleichen Reinheit und Vergeistigung.


Aber wieso gilt gerade das Tier als Sinnbild des Göttlichen? Ist unter den Bedingungen der säkularisierten Moderne noch etwas übrig von dieser uralten Verbindung? Oder tun sich vielleicht gerade heute neue Sehnsüchte und Resonanzräume bei Künstlern und Rezipienten auf?

Programm

Freitag | 23. August 2019

17 Uhr | Führung durch die Ausstellung | Bastionen
Christiane Stoebe, Kuratorin der Ausstellung


19:30 Uhr | Begrüßung | StadtMuseum Pirna
Klaus-Peter Hanke, Oberbürgermeister Pirna


19:45 Uhr | Vortrag | Das Tier – Sinnbild des Göttlichen?
Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz
In frühen Religionen (und bis heute im Hinduismus), auch in Mythen, sind Tiergestalten Träger des Göttlichen, allerdings auch des Dämonischen. Darin spricht sich das Empfinden aus, dass im Animalischen besondere, den Menschen überragende Kräfte vorhanden sind. In ihrer unwiderstehlichen Gewalt stellen sie Heiliges/Dämonisches dar, und zwar in seiner doppelten Form: als tief Bedrohendes und als unwiderstehlich Anlockendes (tremendum et fascinans). Der Vortrag sucht eine zweifache Frage zu klären: Welche Eigenschaften des Göttlichen sieht der Mensch im Animalischen? Aber auch: Ab wann wird die tierische Kraft zu
„schmal“, um die Gotteserfahrung noch zu tragen?

Samstag | 24. August 2019

9 Uhr | Begrüßung und Einführung
StadtMuseum Pirna
René Kaufmann


9:15 Uhr | Vortrag | Götter, Totem, Kuscheltiere
Dr. Annette Seeler
Seit rund 35.000 Jahren schafft der Mensch Tierbilder. Angefangen bei prähistorischen Tierskulpturen, alt-ägyptischen Statuen tiergestaltiger Götter über Totempfähle indigener Völker, die moderne Tierplastik bis hin zur Thematisierung des Tiers in der zeitgenössischen Kunst – der Vortrag spürt der Form und Bedeutung von Tierdarstellungen in verschiedenen Zeitaltern wie Kulturen nach und setzt diese dabei auch in ein Verhältnis zu unserem jeweiligen praktischen Umgang mit den nichtmenschlichen Lebewesen.

10:15 Uhr | Vortrag | Das bildhauerische Motiv der Tiergestalt
Prof. Helmut Heinze
Die Liebe zum Tier und die Freude an der Gestalt sind Motive für die bildhauerische Arbeit. Der Bildhauer sieht die Einmaligkeit und Schönheit der Volumen bei Tierkörpern.Während die menschliche Gestalt oft als Denkmal der staatlichen Macht missbraucht wurde, ist das Tier immer Stellvertreter der göttlichen Schöpfung und lebt.

11 Uhr | Kaffeepause


Workshops
11:30 – 13:30 Uhr und 14:30 – 16:30 Uhr
in der Oberschule „J.W. von Goethe“ Pirna

16:30 Uhr | Zusammenführung der Arbeitsgruppen und thematische Diskussion
René Kaufmann
Nach den Vorträgen und der Arbeit in den verschiedenen Workshops wird das vielfältig Betrachtete – im individuellen Austausch zwischen den Teilnehmenden – durch Rückmeldungen der Workshopleitenden und im Rahmen einer kleinen Podiumsdiskussion – gemeinsam vergegenwärtigt und resümiert.


20 Uhr | 115. Galeriekonzert – Das Tier in uns
StadtMuseum Pirna
Katja Erfurth - Tanz
Florian Meyer - Violine
Daniel Thiele - Violoncello

Workshops

Samstag | 24. August 2019

Workshops
11:30 – 13:30 Uhr und 14:30 – 16:30 Uhr
in der Oberschule „J.W. von Goethe“ Pirna


Workshop I | Sprache der Kunst
Dr. Friedrich Hausen
In dem Workshop erfolgt eine schrittweise Annäherung an die jeweiligen Sprachformen und möglichen Bedeutungen ausgewählter Tierplastiken. Einen methodischen Ausgangspunkt liefert die Schichten-Phänomenologie in der Ästhetik Nicolai Hartmanns.


Workshop II | Dem Heiligen begegnen – Tiersymbolik in den Weltreligionen
Dr. Anna M. Martini
Der Workshop widmet sich anhand von Bildern der Ausstellung folgender Fragestellung: Welche numinose Kraft zeigt sich an dem einzelnen Tier, die als heilig/dämonisch erlebt werden kann? Dazu werden auch Texte und Bilderzeugnisse aus den Weltreligionen betrachtet.


Workshop III | Antwort finden
Alexandra Grüttner-Wilke
Diese Arbeitsgruppe lädt ein, sich die Fähigkeit zum Sehen, Fühlen und Verstehen von Kunstwerken neu zu erschließen. Einführend werden dazu gemeinsam Auszüge aus dem Vortrag „Vom Wesen des Kunstwerks“ des Religionsphilosophen Romano Guardini gelesen.

Workshop IV | (Omni)Präsenz? - Sich dem Tier stellen
Beatrix Kersten | Dr. Enrico Sperfeld
Anhand ausgewählter Tierskulpturen werden existenzielle, geistige und künstlerische Herausforderungen ergründet, die vom Sein der Tiere im Raum ausgehen. Wo liegen die Potenziale eines Dialogs zwischen menschlicher und tierischer Wahrnehmung der Welt? Wo und wie reicht das Tier an eine göttliche Dimension heran, und können wir ihm dorthin folgen? Übungen aus Theaterpädagogik und Feldenkraismethode sowie Texte von Rilke, Kafka und Serres helfen, die Skulpturen in ihrer Präsenz und Aussagekraft zu erschließen und öffnen originelle Wahrnehmungs- und Denkräume.


Workshop V | Aufbau und Ausdruck
Dr. Annette Seeler
Vor ausgewählten Bildwerken wird die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Aufbau und statischer Balance einer- und dem Ausdruck andererseits gestellt. Eventuell können praktische Erfahrungen beim Bau modellhafter Figuren mit einfachen Mitteln gesammelt werden. Ziel ist es, für das Lesen einer Aussage aus der Form zu sensibilisieren.

 

Preis

90 € pro Person, ermäßigt 70 € (Schüler und Studenten mit Ausweis)
zzgl. Verpflegung und Unterkunft

Anmeldung

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