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Integriertes Stadtentwicklungskonzept (INSEK)

Stadtumbau - Hintergrund

Stadtentwicklung und –planung ist ein komplexer Vorgang, in dem insbesondere Veränderungen der Bevölkerungszahl und –struktur sowie der Wirtschaftsstruktur deutliche räumliche Konsequenzen haben. Die Entwicklung Pirnas ist seit mehreren Jahren vom Bevölkerungsrückgang infolge Geburtenmangel und Abwanderung, von einem steigenden Anteil älterer Einwohner, anhaltenden wirtschaftstrukturellen Problemen und einer angespannten Arbeitsmarktsituation geprägt. Dadurch ergeben sich vielfältige Folgen für die Stadt und ihre Infrastruktur: Gebäude bleiben ungenutzt, überschüssiger Wohnraum und Brachflächen entstehen, bestehende Infrastruktureinrichtungen sind nicht mehr ausreichend ausgelastet, im Einzelhandelsbereich sinkt die Nachfrage. Die Attraktivität betroffener Stadtteile und –quartiere sinkt erheblich.

War die Stadtentwicklung noch bis Ende der 1990er Jahre auf Wachstum und Erweiterung ausgelegt, besteht die Hauptaufgabe künftig darin, die Stadtentwicklung unter dem Gesichtspunkt von Stagnations- und Schrumpfungsprozessen neu zu betrachten und zu planen. Stadtumbau bezeichnet eine Entwicklungsstrategie, die einerseits einen behutsamen Rückbau dauerhaft leer stehender und langfristig nicht mehr benötigter Wohnungen sowie von Anlagen und Netzen der sozialen und technischen Infrastruktur beinhaltet. Andererseits bildet die Aufwertung des Wohnungs- und Infrastrukturbestandes und die Anpassung an geänderte Nachfragestrukturen (alternde Bevölkerung) einen wesentlichen Baustein des Stadtumbaus. Mit dem Stadtumbau sollen ungelenkte Vorgänge der Schrumpfung und des Verfalls verhindert und das Gleichgewicht zwischen Bevölkerung, Wohnbauten, Verkehrssystemen sowie sämtlichen Elementen der privaten und öffentlichen Infrastruktur (Dienstleistungen, Handel, Gesundheit, Schulen, Kultur) wieder hergestellt werden.

Einen Handlungsschwerpunkt des Stadtumbaus bildet der Rückbau der Wohnungen, die dauerhaft leer stehen und angesichts der weiter schrumpfenden Bevölkerung auch mittel- bis langfristig nicht mehr vermietet werden können. In Pirna entstand in den letzten Jahren ein beträchtliches Überangebot an Wohnungen, da trotz einer stetig abnehmenden Einwohnerzahl der Wohnungsbestand durch Sanierungen und Neubauten anstieg. Ende 2000 wurde eine Leerstandsquote von ca. 10% erreicht. Bei ausbleibenden Maßnahmen zur Wiederherstellung des Gleichgewichtes zwischen Angebot und Nachfrage wird der Wohnungsleerstand bis zum Jahr 2020 auf über 20% ansteigen und so massive Existenzprobleme für die Wohnungsunternehmen hervorrufen.

Einen weiteren Handlungsschwerpunkt bilden Aufwertungsmaßnahmen (Verbesserung des öffentlichen Raumes und des Wohnumfeldes, Sanierung vorhandener Gebäude und Wohnungen, Anpassung bestehender Infrastrukturen, Wiederverwendung und Nutzung von Rückbauflächen) zur Steigerung der Wohn- und Lebensqualität und Wiederherstellung intakter Stadtstrukturen.

Integriertes Stadtentwicklungskonzept (INSEK)

Grundlage der Stadtentwicklung unter Schrumpfungsbedingungen ist ein ganzheitlicher Planungsansatz in Form eines Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (INSEK), welches Planungen, Konzepte und Ideen der kommunalen Fachressorts, die Akteure des Wohnungsmarktes sowie von Bürgern, Vereinen und anderen Organisationen integriert. Das INSEK ist einerseits über den gesamten Stadtumbauprozess hinweg Grundlage des Handelns aller Beteiligten und bildet andererseits die Grundlage für die Aufnahme in das Bund-Länder-Programm „Stadtumbau-Ost“, mit dem Rückbau- und Aufwertungsmaßnahmen finanziell gefördert werden.

Pirna hat im November 2002 ein INSEK erarbeitet, das neben Stadtumbaustrategien im gesamtstädtischen Kontext vier wesentliche Umstrukturierungsgebiete mit vorrangigem Handlungsbedarf herausarbeitet. Dabei handelt es sich um die Stadtquartiere Pirna-Copitz, Pirna-Sonnenstein, den Bereich Innenstadt/Altstadt sowie die Südvorstadt. Als Indikatoren für die Identifizierung der Schwerpunktgebiete gelten der überdurchschnittlich hohe Bevölkerungsverlust und Wohnungsleerstand sowie der Zustand und Sanierungsbedarf vorhandener Bausubstanz, Wohnformen und Stadtstrukturen. Für die vier Bereiche wurden teilräumliche Entwicklungskonzepte erarbeitet, die für die Stadtteile Pirna-Copitz und Pirna-Sonnenstein in gebietsspezifischen Handlungskonzepten konkretisiert wurden.

Ziele der Integrierten Stadtentwicklung der Stadt Pirna

Gesamtstadt:

  • Anpassung des Wohnungsbestandes an den tatsächlichen Wohnungsbedarf
  • Reduzierung des Wohnungsleerstandes durch Abriss, Teilrückbau, Umnutzung und Wohnungszusammenlegungen
  • Deutliche Reduzierung der Neubautätigkeit im Geschosswohnungsbau
  • Konzentration des Stadtumbaus auf überdurchschnittlich vom Leerstand betroffene verdichtete Siedlungsbereiche
  • Aufwertung und Sanierung bestehender Stadtstrukturen
  • Schutz und Aufwertung bestehender Grün- und Freiflächen, Neuanlage von Grün- und Freiflächen

Innenstadt/Altstadt:

  • Weiterführung der (denkmalschutzgerechten) Altstadtsanierung
  • Steigerung der Attraktivität der Innenstadt für Wohnen, Handel, Kultur und Tourismus
  • Umnutzung und partieller Rückbau an ausgewählten Standorten mit Ersatzbebauung zum Erhalt der altstadttypischen Strukturen
  • Lösung der verkehrstechnischen Probleme der Innenstadt
  • Schutz und Aufwertung der Wohnumfeld- und Umweltsituation
  • Verbesserung der Infrastruktur/Versorgung
  • Überplanung ungeklärter Bereiche

Pirna-Copitz:

  • Verbesserung der städtebaulichen Situation durch Aufwertung und Umstrukturierung im Randbereich (Elbraum und Wesenitzaue)
  • Schaffung städtebaulicher Voraussetzungen zur Entwicklung lokaler Wirtschaft und Beschäftigung sowie Soziokultur
  • Anpassung des Wohnungsbestandes an die Bevölkerungsentwicklung und Wohnraumnachfrage durch Umnutzung und Um- und Rückbau
  • Aufwertung der Wohnumfeld- und Umweltsituation

Pirna-Sonnenstein:

  • Anpassung des Wohnungsbestandes an die Bevölkerungsentwicklung und Wohnraumnachfrage durch Umnutzung und Um- und Rückbau
  • Ausbildung einer Entwicklungsachse mit Grünzug und Zentrumsfunktion innerhalb des Großwohngebietes
  • Schaffung wohnortnaher Arbeitsplätze
  • Revitalisierung des ehemaligen Strömungsmaschinengeländes
  • Umnutzung der historischen Bausubstanz (Schlosspark)
  • Ansiedlung bzw. Sanierung bzw. von Gemeinbedarfseinrichtungen

Südvorstadt:

  • Reduzierung des Wohnungsüberangebotes durch Rückbau unsanierter Bestände
  • denkmalschutzgerechte Sanierung und Umnutzung der Kasernen
  • Aufwertung der Wohnumfeld- und Freiraumsituation

Das 2002 erarbeitete INSEK finden Sie in nachfolgenden Dateien:

Umsetzung der Ziele

Bei der Umsetzung der oben genannten Ziele der Integrierten Stadtentwicklung und des Stadtumbaus konnten bis heute bereits deutliche Fortschritte erreicht werden. Die Lebensqualität und Attraktivität der von der Schrumpfung besonders betroffenen Stadtteile und –quartiere wurde durch Rückbau- und Aufwertungsmaßnahmen stabilisiert und gesteigert. Die Umsetzung erfolgte durch die Inanspruchnahme von Mitteln aus den städtebaulichen Förderprogrammen (Stadtumbau Ost, Soziale Stadt, Aktive Stadt- und Orstteilzentren, Städtebaulicher Denkmalschutz), aus Programmen zur Brachflächenrevitalisierung und durch Eigenmittel der Stadt Pirna. Im Einzelnen wurden in den Stadtteilen folgende Maßnahmen umgesetzt (Stand Dezember 2010):

Innenstadt/Altstadt:

  • Fortführung der (denkmalschutzgerechten) Altstadtsanierung, erreichter Sanierungsstand: 87% (289 von 332 Baugrundstücken)
  • Etablierung vielfältiger Veranstaltungen (Veranstaltungs- und Eventreihe pirnatürlich mit Weinfest, Hofnacht, Einkaufsnacht, Jazznacht u.a.)
  • Neugestaltung des zentralen Busbahnhofes
  • Verkehrsberuhigung Obermarkt, Herstellung einer ungehinderten Sichtverbindung Richtung Canalettohaus
  • Revitalisierung der Gewerbebrachfläche „Am Felsenkeller“, Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes und eines Seniorenheimes, Vorbereitung zum Bau von Einfamilienhäusern
  • Planung eines innerstädtischen Einkaufszentrums im Quartier „Scheunenhof“
  • Entkernung und Neuordnung von Hinterhof – und Blockinnenbereichen, teilweise Nachnutzung für innerstädtische Wohnstandorte
  • maßvoller Abbruch einiger weniger dauerhaft leer stehender Gebäude, Rückgewinnung des früheren Stadtbildes durch Rückbau von Aufstockungen und Anbauten

Pirna-Copitz:

  • Einrichtung eines Stadtteilmanagements
  • Sanierung der Kindertagesstätte „Kinderland“
  • Sanierung und Umgestaltung des soziokulturellen Stadtteiltreffs „Treff“ mit Stadtteilbibliothek einschließlich Gestaltung eines Platzbereiches vor dem Gelände der Einrichtung
  • Sanierung des Herder-Gymnasiums, Anbau einer Mehrzweckhalle (Herder-Halle) an die Turnhalle des Gymnasiums
  • Neugestaltung der Außensportanlagen an der Pestalozzi-Mittelschule
  • Abbruch der nicht mehr benötigten Haußner-Schule und Anlage eine Grünanlage samt Spielplatz auf der Rückbaufläche
  • Gestaltung des Leglerplatzes als Grünanlage mit Spielplatz
  • Anlage eines Geh- und Radweges entlang der Wesenitzaue inklusive Gestaltung einer Hügellandschaft im angrenzenden Bereich
  • Anlage des Neumühlenweges inklusive Sanierung der Wesenitzbrücke
  • Neubau des Brückmühlenweges mit Errichtung einer neuen Bogenbrücke über die Wesenitz
  • Bau des Geh- und Radweges im Elbraum zwischen Fähre und Stadtbrücke
  • grundhafter Ausbau der Straße Niederleite
  • Planung zur grundhaften Sanierung und Umgestaltung der Hauptstraße
  • Existenzgründungen, Ansiedlungen und Standorterweiterungen von klein- und mittel-ständischen Unternehmen
  • Revitalisierung der Gewerbebrache „Alte Fahrzeugelektrik“
  • seit 2005 Rückbau von 61 dauerhaft leer stehenden Wohnungen, teilweise Nachnutzung der Rückbauflächen für den individuellen Wohnungsbau

Pirna-Sonnenstein:

  • Einrichtung eines Stadtteilmanagements
  • Um- und Ausbau eines soziokulturellen Zentrums mit Angeboten im Bereich Jugend, Kultur und Soziales für alle Bevölkerungs- und Altersgruppen
  • Sanierung der Kindertagesstätte „Schlumpfenhaus“
  • Anlage eines Jugend- und Freizeitzentrums mit Skateranlage und Multispielfeld
  • Freiraumgestaltung entlang der Nord-Süd-Achse
  • Neubau des Krankenhauses (Klinikum Pirna GmbH mit über 600 Arbeitsplätzen) auf einer Brachfläche des ehemaligen Strömungsmaschinenwerkes
  • Beginn der Planung für die Umnutzung von Schloss Sonnenstein zum Sitz der Landkreisverwaltung Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
  • Planung eines Kreisverkehr an der Einfahrt zum Schloss Sonnenstein (B 172 Schlosskurve)
  • Planung des Ersatzneubaus für die Gauß-Mittelschule
  • seit 2007 Rückbau von 553 dauerhaft leer stehenden Wohnungen im Plattenbaubestand, Freiraumgestaltung der Rückbauflächen

Südvorstadt:

  • seit 2004 Rückbau von 285 dauerhaft leer stehenden Wohnungen und der dazu gehörigen technischen Infrastruktur
  • Nachnutzung einer 15.000 m2 großen Rückbaufläche im Musikerviertel durch den individuellen Wohnungsbau
  • Ersatzneubau für die Kindertagesstätte „Naseweis“ auf der Rückbaufläche der ehem. Walkmühle

Fortschreibung des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes INSEK

Das INSEK ist die Handlungsgrundlage für die künftige Stadtentwicklung und übt damit eine Selbstbindungswirkung auf das Handeln und Wirken der Entscheidungsträger aus. Das Konzept ist aufgrund seines langfristigen Planungshorizonts (15 Jahre) in regelmäßigen Zeitabständen fortzuschreiben und an aktuelle Rahmenbedingungen sowie erkennbare Entwicklungen anzupassen.

Derzeit erfolgt auf Grundlage der bis 2020 vorliegenden Prognosen zur Bevölkerungs-, Haushalts- und Wohnungsnachfrageentwicklung, einer Analyse des Wirtschaftsstandortes Pirna und der Ergebnisse der in den letzten Jahren umgesetzten Maßnahmen die Fortschreibung des INSEK. Die Fortschreibung wird inhaltlich breiter gefächert und künftig mehrere Fachkonzepte (Wohnen, Wirtschaft, Verkehr, Umwelt, Marketing u.a.) mit Zielsetzungen der Stadtentwicklung bis zum Zeithorizont 2020 enthalten.

Ansprechpartner: Fachdienst Stadtplanung und Grünflächen

Fachdienst Stadtplanung und Grünflächen

Am Markt 1/2
01796 Pirna
Tel. 03501 556-308

Fachdienstleiter Herr Drossel, Tel. 03501 556-205, Kontakt

Sachbearbeiter Herr Kaiser, Tel. 03501 556-265, Kontakt

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