Bereiche

Navigation

Inhalt

„Geschrieben und gesiegelt zu Pyrne“

Geschrieben_Plakat
Stadtmuseum Pirna zeigt bis zum 26. Oktober Originaldokumente
aus acht Jahrhunderten

Viele dieser Zeugnisse beeindrucken den Besucher schon durch ihr Alter und Erscheinungsbild. Dazu gehören Urkunden aus Pergament mit Siegeln, Handschriften, die mit Malereien verziert wurden. Andere Schriften erscheinen vielleicht auf den ersten Blick weniger interessant und doch dokumentieren sie wesentliche Zusammenhänge unserer Geschichte. Allgemeinverständliche, auf das Wesentliche konzentrierte Texte helfen dem Besucher, sich von der bloßen Anschauung zu lösen und in die Zeit der Entstehung der Dokumente hineinzuversetzen. Das Stadtmuseum bietet auch Führungen durch die Ausstellung an, die Termine können individuell für Gruppen vereinbart werden. Die Möglichkeit zur Anschauung der Dokumente in dieser Auswahl wird sicher einmalig bleiben, denn schon aus konservatorischen Gründen dürfen diese nur für kurze Zeit ans Licht geholt werden – ein weiterer Grund, sich die Ausstellung nicht entgehen zu lassen.

Nach dem Tode Herzog Georgs, der den alten Glauben bis zuletzt verteidigte, wird 1539 auch im albertinischen Sachsen die Reformation eingeführt. Die Stadt Pirna empfängt am 25. Juli des Jahres den ersten evangelischen Pfarrer und Superintendenten Anton Lauterbach aus Wittenberg, einen Vertrauten Luthers und Melanchthons. Die Stadt wird Ort der Synoden, der regelmäßigen Zusammenkünfte der Geistlichen aus der ganzen Ephorie. Lauterbach muss in seinem Amtsbezirk die neue Kirchenordnung durchsetzen und die Geistlichen zur Amtsausübung im lutherischen Sinne befähigen. Visitationen vor Ort offenbaren viele Mängel. Lauterbach trifft Maßnahmen zur Veränderung. Er fertigt Aufzeichnungen über die vorgefundenen Zustände, beurteilt die Tauglichkeit und Qualifikation der Geistlichen. In dieser Zeit entwirft er auch eine lateinische Kirchenordnung und fertigt Verzeichnisse der vorangegangenen katholischen Pfarrer. Lange Zeit wird der Verlust von Lauterbachs Schriften beklagt. Dann entdeckt im Winter 1881/82 der Historiker Prof. Dr. Goswin Freiherr von der Ropp aus Marburg die Schriften bei einem Dresdner Antiquar. Er sorgt für die Übergabe an den Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz, der die Handschrift später dem Stadtarchiv Pirna übereignet.
 
Dieser so genannte Codex Lauterbach kann gegenwärtig im Original in der Sonderausstellung „Geschrieben und gesiegelt zu Pyrne“ des Stadtmuseums Pirna betrachtet werden. Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Pirna entstand, lädt zu einem Gang durch acht Jahrhunderte der Stadtgeschichte ein. Ausgewählt sind ca. 30 wertvolle Originaldokumente, die aus konservatorischen Gründen nur sehr selten ans Licht geholt werden können und jetzt anlässlich der 775-Jahrfeier Pirnas erstmalig für die Öffentlichkeit zu sehen sind. Die Dokumente bringen einerseits große nationale und internationale Geschehnisse in ihrer lokalen Auswirkung zur Sprache. Andererseits beleuchten sie spezifische Pirnaer Lebenswelten. Zu den ältesten Dokumenten gehört zum Beispiel der 1325 durch König Johann von Böhmen ausgestellte Privilegienbrief, der das Stapelrecht als wesentliche wirtschaftliche Grundlage der Stadt erneuerte. Weitere frühe Urkunden betreffen das Kloster, die Verwaltung des Hospitals und die Ziegelscheune. Aus dem 17. Jahrhundert ist das Pirnaer Wappenbuch der böhmischen Exulantengemeinde hervorzuheben. Es ist eine Leihgabe der Evangelisch-Lutherischen Stiftung Böhmischer Exulanten in Dresden. Infolge der Rekatholisierung Böhmens strömten damals über 2000 Flüchtlinge in die Stadt, unter ihnen Nicolaus Troilus, der Rektor der Prager Universität. Er war der Stifter des so genannten Pirnaer Wappenbuches, das als Spendenverzeichnis der Exulantengemeinde entstand, die hier in tschechischer Sprache Gottesdienste abhalten durfte. Der Band enthält zahlreiche Buchmalereien, welche die Wappen der verzeichneten Familien zeigen.
Aus dem 18. Jahrhundert ist die farbenprächtige Vorzeichnung der Sonnenuhr am Pirnaer Rathaus, die vor Jahren bei der Rekonstruktion eine unentbehrliche Grundlage bildete, zu sehen. Im 19. Jahrhundert begegnet dem Besucher Heinrich August Seltmann, der 1848/49 für bürgerliche Freiheiten eintrat und nach der Niederschlagung des Dresdner Maiaufstandes infolge Denunziation inhaftiert wurde. Seine Verteidigungsschrift entwarf er in der Pirnaer Fronfeste. Die Ausstellung erinnert weiterhin an die Verbrechen der Nationalsozialisten und thematisiert die Bücherverbrennung, die Verfolgung jüdischer Mitbürger und die Euthanasie. Dokumente der jüngsten Vergangenheit erinnern u. a. an den „Mach mit!“ -Wettbewerb, die friedliche Revolution von 1989 und unter Einbeziehung eines Films an das Kunstseidenwerk „Siegfried Rädel“.
 
Ein besonderer Bereich widmet sich der Geschichtsschreibung Pirnas. Der Besucher erhält einen Überblick von den Handschriften und gedruckten Werken der Chronisten des 18. Jahrhunderts bis hin zur wissenschaftlichen Stadtgeschichtsschreibung unter Professor Oskar Speck (1850-1922).
 

Im Rahmen der Ausstellung sind besondere Höhepunkte geplant. Im September wird der 1606 von Georg Mond geschaffene Deckelpokal in Gestalt eines Schlösschens, welches das im Dreißigjährigen Krieg zerstörte Lusthaus des Sonnensteins darstellt, zu sehen sein. Das Grüne Gewölbe in Dresden gewährt diese Leihgabe anlässlich des Stadtjubiläums. Von Ende Juli an wird für vier Wochen Pirnas älteste erhaltene Stadtfahne aus der Zeit um 1680 präsentiert. Außerdem wird das Stadtarchiv Pirna im Oktober eine Neuerwerbung vorstellen. Dabei handelt es sich um ein vom Rat zu Pirna für einen Bürger ausgestelltes Führungszeugnis aus dem Jahre 1648. Die genauen Termine dieser Präsentationen werden rechtzeitig in der Presse bekannt gegeben.

Informationen

Events und Tickets

Bild Kultur & Tickets

Besucheranschrift

StadtMuseum Pirna

Klosterhof 2/3

01796 Pirna

Tel. 03501 556 461

Fax 03501 556 401

Kontakt


Öffnungszeiten

Mo geschlossen
Di – So 10 – 17 Uhr
feiertags 10 – 17 Uhr


Eintritt

4,00 Euro, ermäßigt 3,00 Euro


Geschäftssitz / Postanschrift


Kultur- und Tourismusgesellschaft Pirna mbH
Stadtmuseum Pirna

Am Markt 7
01796 Pirna

Bankverbindung:
Ostsächsische Sparkasse Dresden
IBAN:
DE 74 8505 0300 3100 111400
BIC: OSDDDE81XXX

Steuernummer
210/112/03369

eingetragen beim
Amtsgericht Dresden
HRB 23792

Aufsichtsratsvorsitzender
Klaus-Peter Hanke

Geschäftsführer
Christian Schmidt-Doll

 
Ostsächsische Sparkasse Dresden